
Mit Kindern beten
Zehn Tipps für Eltern und Großeltern1) Kinder brauchen Rituale, auch beim Beten. Vor dem Einschlafen oder vor dem Essen – feste Zeiten für das Gebet geben ihrem Alltag eine verlässliche Struktur.
2) Beten ist wie das Reden mit einem besonderen Freund. Drängen Sie Ihr Kind deshalb nicht, wenn es einmal zu müde oder zu aufgedreht zum Beten ist. Mit einem Freund redet es auch nur, wenn es will.
3) Es ist schön, wenn Sie Gebete aus Ihrer eigenen Kindheit an Ihr Kind weitergeben. Das verbindet. Achten Sie aber darauf, dass diese Gebete durch ihre Sprache und Inhalte die Kinder nicht ängstigen.
4) Irgendwann erfährt Ihr Kind, dass nicht alle Gebete erfüllt werden: Da stirbt die Oma, obwohl es für sie gebetet hat. Ermutigen Sie Ihr Kind, Gott seine Enttäuschung zu zeigen. So lernt es, dass Beten ein Gespräch zwischen Freunden ist und kein Automatismus.
5) Falsche Gebete gibt es nicht. Unterbrechen Sie niemals Ihr Kind, wenn es betet – auch nicht, wenn es unerfüllbare Wünsche formuliert oder Sie gar spüren, dass es sich vor Gott fürchtet. Im Anschluss haben Sie Gelegenheit, mit Ihrem Kind darüber zu reden.
6) Gegenstände können Ihrem Kind helfen zu beten: Ein Stein, bei dem es ablegen kann, was es belastet. Eine Kerze, bei der es alles sagen kann, wofür es dankbar ist. Eine Blume, bei der es formulieren kann, was es für sich und andere erbittet.
7) Ermutigen Sie Ihr Kind, seine Bitten oder seinen Dank zu malen oder zu basteln. So verbindet es sein Gebet anschaulich mit seinen Erfahrungen.
8) Kinder beten mit dem ganzen Körper: Tanzen, Trommeln oder Hände falten, es gibt viele Möglichkeiten, Beten mit Gestik zu verbinden. Probieren Sie es aus.
9) Wenn Ihr Kind schon zur Schule geht, können Sie mit ihm auch stille Gebete einüben. Es ist für Ihr Kind eine gute Erfahrung, Gott das Herz im Schweigen auszuschütten. Außerdem müssen die Erwachsenen nicht alles wissen.
10) Behalten Sie einmal gefundene Gebetspraktiken bei. Denn das Gewohnte gibt Sicherheit.
Dürfen Kinder für bessere Noten beten?
chrismon plus rheinland: Frau Viehweg, warum sollen Eltern mit ihren Kindern beten?
Heidrun Viehweg: Weil Beten die Beziehung zu Gott betrifft. Beten ist wie das Gespräch mit einem besonderen Freund. Gott ist besonders, weil er bleibt, sich nicht abwendet, wie es manchmal bei menschlichen Freunden geschieht. Mit Gott haben Kinder beim Beten einen Gesprächspartner, der ihnen zuhört, und der auch antwortet.

Heidrun Viehweg, Pfarrerin aus
Essen und Redakteurin der
Kindergottesdienst-Zeitschrift
„Meine Welt“. Foto: Privat
Sie sollten vor allem von ihren eigenen Erfahrungen mit Gott erzählen. So haben manche Menschen gespürt, dass jemand, der ihnen half, von Gott geschickt wurde. Ich würde Kindern außerdem sagen, dass es auch ein bisschen ein Geheimnis ist, wie Gott antwortet. Damit können Kinder viel anfangen.
Ein unerfüllter Gebetswunsch kann ein Kind enttäuschen. Wie sollten Eltern reagieren?
Zum Beten lernen gehört die Erkenntnis, dass ein Gebet kein Wunsch auf einem Weihnachtszettel ist, den ich einfach abhaken kann. Kinder erfahren ja auch sonst, dass sehnliche Wünsche nicht in Erfüllung gehen. In einer solchen Situation kommt es darauf an, wie sie mit ihren Enttäuschungen umgehen. Gerade das Gebet bietet ihnen die Chance, ihre Enttäuschung vor Gott zum Ausdruck zu bringen. Eltern sollten ihren Kindern dazu Mut machen. Dürfen Kinder im Gebet um alles bitten auch um bessere Schulnoten?
Erst einmal dürfen sie natürlich um alles bitten. Doch es ist wichtig, den Kindern zu erklären, dass Gott kein Zauberer ist, der mit einem magischen Fingerschnipsen alles ändern kann. Eltern können das, indem sie mit ihren Kindern „geerdete“ Gebete formulieren: Statt um eine gute Note könnten sie zum Beispiel Gott um mehr Ausdauer beim Lernen bitten. Oder dass das Kind nicht zu traurig über eine schlechte Note ist.
Welche Gebetsformen sind kindgerecht?
Kindern liegt es besonders, mit dem ganzen Körper zu beten. Im Kindergottesdienst haben wir schon sehr aktive Formen der Klage ausprobiert, wo die Kinder stampfen und schreien und trommeln konnten. Doch auch Dankgebete mit Tanzen und Klatschen sind bei Kindern sehr beliebt. Und sie entsprechen der biblischen Gebetstradition, wenn man beispielsweise an die Psalmen denkt.
Sollten Kinder beim Gebet ihre Hände falten?
Wenn ich in einem Schulgottesdienst ein Gebet spreche, sage ich meistens: „Wenn ihr möchtet, könnt ihr eure Hände falten, damit ihr wisst, wo ihr sie hintun könnt.“ Ich finde es wichtig, den Kindern zu vermitteln: Beten ist etwas anderes als Fernsehen. Deshalb bitte ich die Kinder auch, beim Vaterunser aufzustehen. Denn Beten geschieht nicht nur zwischen Gott und mir, sondern häufig auch in Gemeinschaft. Da hilft es, wenn sich alle an eine bestimmte Form halten. Das gibt Kindern ein Gefühl der Sicherheit, der Heimat.
Was raten Sie Eltern, die selbst wenig Erfahrung mit dem Beten haben?
Sie könnten auf vorformulierte Gebete zurückgreifen. Es gibt viele gute Veröffentlichungen dazu. An passenden Stellen können sie eine auf die konkreten Lebensumstände des Kindes frei gesprochene Passage einbauen. Statt eines gesprochenen Gebets können Eltern auch mit ihrem Kind ein Lied singen. Das bietet sich besonders für das Gute-Nacht-Gebet an, denn viele Abendlieder sind eigentlich Gebete.
Heidrun Viehweg, Pfarrerin aus Essen und Redakteurin der Kindergottesdienst-Zeitschrift „Meine Welt“
Text und Interview: Katrin Keita

