Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes

Mein Kirchgang

Sonntag, 18 Uhr, Kreuzkirche Bonn

Mein Kirchgang Sonntag, 18 Uhr,
Kreuzkirche Bonn
 
 Ein leerer Platz, ringsum drei Häuser. Im ersten wohnen Deutsche, im zweiten Türken, im dritten Afrikaner. Wie bringt man die Bewohner zusammen? Eine Schule bauen, eine Kirche gründen, einen Ball hinlegen? Na klar, einen Ball hinlegen. „Der Ball schafft die Begegnung aller.“
So genial einfach ist die Antwort von Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes, auf die Frage nach Wegen zur Integration. Im Ball liegt auch seine Antwort auf die Frage „Was ist Nächstenliebe?“ Nämlich: miteinander spielen und nicht um jeden Preis gewinnen wollen, sich des Preises würdig erweisen durch ein vorbildliches Verhalten. Wie die 13-jährige Fußballerin, die kurz vorm Tor auf den entscheidenden Schuss verzichtet und sich erst um das Torwart-Mädchen kümmert, das vor Schmerzen zusammengebrochen war. Das Doppelgebot „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Markus 12, 29-31) hat sich der Sportfunktionär für seine Kanzelrede ausgesucht, zu der ihn das Evangelische Forum Bonn in die Kreuzkirche eingeladen hatte. „1:0 für die Liebe“ heißt sein Thema. Passend dazu spielt Organist Stefan Horz Melodien aus der „West Side Story“.

 

Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußballbundes
Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen
Fußballbundes
Bevor Theo Zwanziger auf die Kanzel steigt, bleibt er vor dem Kreuz stehen und deutet eine Verbeugung an. Er spricht von der Ehre, auf einer Kanzel zu stehen. Man nimmt ihm seine Ergriffenheit ab. Er spricht leise, konzentriert und eindringlich. Ganz still sind die 100 Zuhörer, als Zwanziger Einblicke in seine Kindheit und Jugend gewährt. Geboren am 6. Juni 1945, der Vater kurz vor Kriegsende gefallen. Aufgewachsen mit Mutter und Großmutter, ständig begleitet von der Abwesenheit des Vaters. Der Gedanke „Wir werden uns wiedersehen“ wird ihm zur unverzichtbaren Hoffnung, als auch die Mutter früh stirbt. Man nimmt Theo Zwanziger ab, wie er sich um die Jungen und Mädchen auf der Welt sorgt, dass er ihnen Vorbilder wünscht wie den verstorbenen Fritz Walter, Kapitän der „Wir sind Weltmeister“- Mannschaft von 1954. Zwanziger spricht von der Dramaturgie des Lebens, die in keinem anderen Spiel so deutlich wird wie im Fußball, von Glück, Angst, Hoffnung und Enttäuschung.  Seine Begeisterung kommt rüber – und das erlebt man in der Kirche selten.
 
Text: Judith Thies
Foto: Ellen Bornkessel