Schuld und Vergebung ist das Thema der ersten Station im ökumenischen „Gottesdienst für Getrennte und Geschiedene“ in der Aachener Citykirche.

Mein Kirchgang

Evangelische Citykirche St. Nikolaus, Aachen, Sonntag 15.30 Uhr
Schalen mit Tonscherben stehen auf einem Podest. Besucher nehmen einzelne Scherben heraus und schreiben auf, was sie belastet. Eine der vielen Botschaften in Gebetform: „Vergib mir, das habe ich nicht gewollt.“ Schuld und Vergebung ist das Thema der ersten Station im ökumenischen „Gottesdienst für Getrennte und Geschiedene“ in der Aachener Citykirche. Die Organisatoren haben fünf Stationen aufgebaut, wie Pfarrer Olaf Popien zu Beginn erklärt: Neben den Tonscherben finden sich blaue Perlen für Tränen und Trauer, dunkler Stoff für Wut und Enttäuschung und Blumen für die Dankbarkeit. Die Besucher nutzen das Angebot, lassen die blauen Perlen in einen Krug rieseln, zerreißen am anderen Ende der Kirche die schwarzen Stofffetzen und stellen orangefarbene Rosen oder Sonnenblumen zur symbolischen Versöhnung in eine große Vase. Der Gottesdienst gibt den Menschen reichlich Zeit, von Station zu Station zu gehen – begleitet von

„Vergib mir, das habe ich nicht
gewollt.“ Schuld und Vergebung
ist das Thema der ersten Station
im ökumenischen „Gottesdienst
 für Getrennte und Geschiedene“
 in der Aachener Citykirche.  
atmosphärisch starkem Klavierspiel. Die meisten der rund 40 Besucher sind allein hier. Wie ich, auch wenn ich selbst gerade keine Trennung durchlebe. Vielleicht fühle ich mich deshalb so fehl am Platz. Die Atmosphäre ist sehr intim. Viele der Anwesenden wirken unglücklich und trauern offenkundig um jemanden, den sie verloren haben. Einige trocknen mit Taschentüchern die Tränen in ihren Augen. Ihr Kummer ergreift auch mich.
Ich frage mich, mit wem sie sonst ihren Schmerz teilen. Pfarrer Olaf Popien spricht den Menschen zu: „Gott tröstet in Zeiten der Trauer und wischt unsere Tränen ab.“ Er steht vor dem Altar, von dem ein langes blaues Stofftuch bis auf den Fußboden herabfließt. Darauf haben die Besucher Kerzen gestellt – als Ausdruck ihrer Hoffnung auf glücklichere Tage. Im Anschluss gibt es Tee und Gebäck. Viele der meist weiblichen Besucher nehmen das Angebot wahr, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch Menschen von der psychosozialen Beratungsstelle der Diakonie sind da, um bei Ernstfällen professionell zu beraten. Aber die Stimmung ist überraschend gelöst. Der aktive Umgang mit ihrer Situation hat den Menschen offensichtlich gut getan. Und was könnte ihren Schmerz jetzt noch besser lindern als eine wärmende Tasse Tee und das Gespräch mit anderen Menschen?

Rouben Bathke

Bewertung: von sehr gut ***** bis schlecht *
Ablauf ****
Predigt ***
Musik *****
Atmosphäre ***